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Wasser, Hund, Pferd, Kopf

Ulrike Dansauer
Mittwoch, 21. Januar 2009

Goncalo M. Tavares
Wasser, Hund, Pferd, Kopf
Aus dem Portugiesischen von Michael Kegler
Verlag der Apfel, Wien 2008
Ganzleinen mit Schutzumschlag
69 Seiten
€ 14, 80
ISBN: 978-3-85450-277-7

Ein Ich-Erzähler, dessen Name nie genannt wird, macht sich Gedanken über die Welt und über seine Erlebnisse. Seine Gedanken und die Geschichten, die ihm zu seinen Gedanken einfallen, sind dabei von einer grundlegend pessimistischen Weltsicht geprägt.

Das Buch vereinigt 25 kurze Erzählungen, die durch den Ich-Erzähler und dessen beiläufige Informationen zu seiner Familie lose miteinander verbunden sind. Die Themen, um die die Gedanken des Ich-Erzählers immer wieder kreisen, offenbaren eine zutiefst pessimistische Weltsicht: Alles dreht sich um Verrücktheit (z.B. Die Katze, Der Zahnschmerz, Die Münze, Schnelles Herz), Tod, Alter, Sex, Stärke und Schwäche. Dass der Ich-Erzähler selbst schon mindestens an der Grenze des Verrücktwerdens steht, zeigen seine Gedanken, die immer wieder von einer Geschichte (innerhalb und außerhalb einer Erzählung) zur nächsten und wieder zurückspringen, wobei nur hin und wieder ein Zusammenhang zwischen den verschiedenen Geschichten aufblitzt. Den Zusammenhang bilden die schon oben genannten Themen und die Infos zum Ich-Erzähler, wobei der Leser trotzdem vor vielen ungelösten Rätseln steht. Die negative Weltsicht spiegelt sich auch in dem Bild über Frauen und Sex wider. Wenn Frauen erwähnt werden, dann v.a. als Prostituierte, die sich den sexuellen Wünschen des Mannes fügen müssen; sie sind hässlich und/oder alt, in einem Fall auch bösartig. Einzig die Frau des Erzählers und seine Töchter werden in einer einigermaßen neutralen Form erwähnt. Auffällig ist die vulgäre Sprache, die nicht nur in Bezug auf den Geschlechtsverkehr gewählt wird, denn auch die Fäkaliensprache bekommt in den Erzählungen ihren festen Platz.

Sollte man diese Kurzgeschichten einordnen, passen sie sich geschmeidig in den seit einigen Jahren (eigentlich schon Jahrzehnten) herrschenden Modetrend der Hochliteratur ein, der den Pessimismus hochhält, in Rätseln spricht, kein Blatt vor den Mund nimmt (oder anders ausgedrückt gern vulgäre Ausdrücke benutzt) und damit innovativ und intellektuell wirken will. Die so schreibenden Autoren werden, wenn sie dieses Muster einhalten, mit Preisen überschüttet, so auch Tavares, dessen Buch „Wasser, Hund, Pferd, Kopf“ 2007 mit dem Preis der portugiesischen Schriftstellervereinigung APE für Kurzprosa ausgezeichnet wurde und dessen weitere Bücher einige renommierte portugiesische und brasilianische Preise abgestaubt haben. Da kann man nur sagen: Wem’s gefällt. Mich persönlich hat eine solche Literaturauswahl in meinem Germanistikstudium eher genervt; ich halte mich dann doch lieber an die immer noch verpönte, völlig unterschätzte so genannte „Trivialliteratur“ – die sich bei näherer Betrachtung oft weniger trivial erweist als so manche „Hochliteratur“!

Fazit: Überschätztes Werk der Hochliteratur.

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