Das Portal zu Literatur, Musik, Film, Spiel ...

<- Zurück zu: Startseite

Die Entscheidung der Hebamme

Ulrike Dansauer
Dienstag, 03. Februar 2009

Die Entscheidung der Hebamme
Sabine Ebert
Droemer/Knaur
Taschenbuch
Historischer Roman
666 Seiten
€ 8,95 [D],  9, 20 [A]
ISBN: 978-3-426-63835-4

Die Hebamme und mittlerweile Edelfreie Marthe steht wieder einmal inmitten geschichtlicher Ereignisse, denn als Frau des Burgvogts Christian, der dem Markgraf Otto von Meißen dient, erhält sie Einblicke in die Politik des Adels und des Kaisers Barbarossa. Der Kaiser kann nämlich nicht mehr Heinrichs des Löwen Machtansprüche hinnehmen und lässt ihn fallen. Für Marthe, Christian und Christiansdorf bedeutet das Krieg, denn der Markgraf unterstützt Barbarossa mit Rittern aus seiner Grafschaft. Während Christian in die vergebliche Belagerung Haldenslebens involviert ist, muss sich Marthe gegen Ottos tyrannischen Sohn Albrecht zur Wehr setzen, der von seinem Vater in der Zeit von Christians Abwesenheit zum Burgvogt eingesetzt wird. Marthe kann mit Mühe und Not verhindern, dass Albrecht zu viel Schaden anrichtet. Aber als Albrecht nach der Gefangennahme seines Vaters zum zweiten Mal Christiansdorf besucht, steht Christians Leben auf dem Spiel, denn Albrecht versucht ihn mit aller Macht als Verräter zu denunzieren, um endlich an das Silber des Dorfes heranzukommen.

 

So viel, wie die Figuren Christian und v.a. Marthe leiden müssen, fragt nicht nur die Autorin innerhalb des Romans, wie gerade Marthe das aushalten soll, was ihr immer wieder angetan wird. Psychoterror der übelsten Art, Vergewaltigungen und immer wieder die akute Lebensbedrohung machen Marthe und den anderen Frauen das Leben zur Hölle, sodass sie eigentlich schon längst gebrochen sein müsste(n). Nach Willen der Autorin geht Marthes Leiden noch weiter, denn nach dem vorliegenden dritten Band ist noch nicht Schluss, sondern es sollen noch zwei Bände folgen, die vom Leben im Freiburg, dem ehemaligen Christiansdorf, erzählen. Nicht nur die allgegenwärtigen Leiden der Frauen, die leider auch in anderen historischen Romanen immer wieder ausgewalzt werden, stoßen auf, sondern auch das strikte Gut-Böse-Schema. Abgesehen von dem launischen Otto gibt es nur Gute (Christian, Marthe, Lukas, Ottos Sohn Dietrich, Ottos Gemahlin Hedwig u.a.) und Böse (Albrecht, König Heinrich, Ekkehard, Elmar u.a.), wobei gerade Letztere ganz offensichtlich dazu benutzt werden, um immer wieder die Handlung in Schwung zu bringen und die Qualen der Frauen auszumalen. Etwas differenzierter gezeichnete Figuren täten dem Roman gut.

Ansonsten kann man aber gegen die Art und Weise, wie die Autorin schreibt, nichts einwenden, denn das Buch liest sich spannend. Außerdem findet sich selbst dann ein Leser in das Buch ein, wenn er die ersten beiden Bände noch nicht kennt, da die Autorin immer wieder eine kurze Rückschau an entsprechenden Stellen in die Story einflicht.

Am Ende wartet der Roman mit einem Glossar, einer Zeittafel und einem Nachwort der Autorin auf, in dem sie kurz skizziert, wann sie historische Fakten verwendet und wann sie ihrer künstlerischen Freiheit freien Lauf gelassen hat.

Fazit: Leider im negativen Sinn ein typischer historischer Roman.

<- Zurück zu: Startseite

Kommentare sind für diesen Beitrag geschlossen.