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SARAMEE 12: Geweckte Hunde

Alisha Bionda
Montag, 19. Januar 2009

Martin Hoyer/ Dirk Wonhöfer / Sylke Brandt
Atlantis-Verlag, Stolberg, 10/2007
Phantastik, Abenteuer, ISBN 9793936742787, 200/ 12,90
Titelillustration von Chris Schlicht
Titelgestaltung von Timo Kümmel
Innenillustrationen von Chris Schlicht
A5 Paperback
www.atlantis-verlag.de
www.saramee.de
www.dreamspiral.de

Inhalt:

Entgegen erster Bedenken schließt Saramee ein Bündnis mit dem Westlichen Imperium, um der Piraterie der Inselvölker Einhalt zu gebieten. Ein Entschluss der nicht ohne Folgen bleibt ....

Meinung:

Der Band ist in drei Kurzgeschichten aufgeteilt:

„Geweckte Hunde“ – Martin Hoyer

„Curucoc“ – Dirk Wonhöfer

„Tänzer am Abgrund“ – Sylke Brandt

die nicht unterschiedlicher ausfallen könnten, was Plotbildung und Stile angeht. Nun kann genau das einer schlüssigen Romanhandlung im Wege stehen oder sie bereichern.

In Falle dieses Bandes ist es Letzteres, wenngleich das nur die beiden längeren Texte betrifft und ihnen zuzurechnen ist – somit aber erfreulicherweise das Gros des Romans.

Martin Hoyers “Geweckte Hunde” ist weniger eine Kurzgeschichte im klassischen Sinne, sondern eher ein Prolog oder Textfragment und ist als Opener eines derartigen Bandes zu unspektakulär. Besonders wenn man – wie ich – Neueinsteiger ist.

Der Text vermag es nicht wirklich zu fesseln und die Charaktere kommen recht stereotyp daher. Dabei sind es immer die ersten Sätze, die den Leser an ein Buch binden – oder nicht. Was „Geweckte Hunde“ angeht, leider eher nicht. Aus der Handlung geht lediglich hervor, dass Ralec auf den Südlichen Inseln eine neue Heimat für sein Volk erringen will.

Doch ab dann wird es richtig unterhaltend, die Geschichte von Dirk Wonhöfer entschädigt für den arg moderaten und etwas unglücklich gewählten Anfang umso mehr.

Der Autor hat eine lebhafte und flotte Art zu schreiben. Seine Charaktere leben und haben “Profil” und man befindet sich von den ersten Sätzen an, mit ihnen auf hoher See.

Das ist der Stil und auch die “Farbe”, die man bei Abenteuer-Phantastik erwartet! Das ist „Kopfkino“!

In „Curucoc“ geht es um Kapitän Val Karrac, dessen Tochter Ada und Sohn Mar, sowie der Fischerin Staine und Bert, dem Koch – der Besatzung der „Cassaia“, zu denen sich im Laufe der Handlung aber noch weitere „Mitglieder“ dazugesellen. So z.B. Nogbart, Soldat eines imperialen Schiffes, den Val Karrac gefangen hält und Grennan Goldgard und Wu Hanjan, zwei Söldner, die der Kaptän verdingt.

Denn er benötigt dringend Hilfe, da sein Sohn Mar von einem vergifteten Pfeil getroffen wurde und um sein Leben ringt. Um an das Gegengift zu gelangen, das an Bord eines Schlachtkreuzers, der wie eine schwimmende Festung ist, muss sich der Kapitän Verstärkung durch diese beiden Söldner holen Und ihnen steht ein Unterfangen auf Leben und Tod bevor.

Dieser Teil des Bandes ist farbig und actionreich erzählt, fesselnd und in der Weise, wie ich mir das bei einer Serie, wie dieser vorgestellt habe!

Den dritten und längsten Teil des Bandes steuerte Sylke Brandt bei, den Ersten, den ich von der Autorin gelesen habe. Und ich kann ihre Ideen und anschaulichen Plots nur loben.

Einzig ihr Stil ist noch nicht zu hundert Prozent ausgewogen und hätte ein sattelfesteres Lektorat nötig - dennoch liest sich ihr Part sehr unterhaltsam und zeigt eine andere Seite von SARAMEE, nämlich das Stadtgeschehen bis dahin, was sich unter den Mauern der Stadt abspielt.

Das macht den Reiz dieses Bandes aus, dass beide Haupttexte an verschiedenen Locations stattfinden – der eine zur See, der andere in SARAMEE selbst. Was eine sehr gute Bandbreite gewährleistet.

Sylke Brandt verquickt in „Tänzer am Abgrund“ geschickt und sehr phantasievoll mehrere Handlungsstränge und tischt somit mehrere Gschichten um verschiedene Personen auf und führt diese auch spannend zu Ende.

Roter Faden der Story ist eine Sekte und Titelgeber, sprich die „Tänzer am Abgrund“, die ein Ritual vorbereiten, an dem eben jene Charaktere der Geschichte, aus unterschiedlichsten Gründen teilnehmen wollen.

Die Autorin greift dabei tief in die Erzähltruhe. Da ist Gwendis, eine Schwertfrau und Lerii, ihre „Gefährtin“, der greise Händler Irikon Drosas und seine junge Frau, die nicht ihn sondern das angenehme Leben an seiner Seite geheiratet hat, und da sind Talek, ein Stadtwächter, Sen Hora, der Hauptmann und Blutblume, eine Anhängerin der Sekte – und derer mehr.

Bis auf Teil eins überzeugt “Geweckte Hunde” vollends, was die Phantasie und Umsetzung derer angeht. Der Leser wird kurzweilig und spannend unterhalten und es gelingt spielend in die Welt von und rund um SARAMEE einzutauchen.

Komme ich zu der Aufmachung des Bandes. Die Covermotive und Innenillustrationen der Serie steuert Chris Schlicht bei, und sie gibt “Saramee” dadurch eine eigene sehr ansprechende Note.

Auch vom Innenlayout gibt es Gutes zu berichten. Das Papier überzeugt qualitativ, der Satz (bis auf einen Fauxpas, das auf Seite 112 halbseitig der Text fehlt) ist auch korrekt, im Anschluss des Textes werden die Autoren und die Künstlerin ordentlich vorgestellt und die Kopf- und Fußzeilen zieren sogar Bordüren.

Dadurch und durch die schönen Innenillustrationen ist der Band wirklich ein Hingucker.

Das einzige wirklich wesentliche Manko ist leider das Lektorat, das sowohl orthographisch, als auch stilistisch keine gute Arbeit geleistet hat. Besonders der dritte Text hätte von einem besseren Lektorat profitiert und somit wäre der Band (fast) ohne Fehl und Tadel gewesen.

Dennoch, und das ist der Hauptaugenmerk, ist “Geweckte Hunde” im Großen und Ganzen ein wahres Lesevergnügen, kommt liebevoll und künstlerisch gestaltet daher und macht auf jeden Fall Lust auf mehr!

Darüber hinaus bleibt zu vermuten, dass SARAMEE-Romane, die nur von einem Autor bestritten werden, noch „runder“ daherkommen.

Fazit: Im Gros abwechslungsreicher und flott erzählter phantastischer Serienroman, der auch noch mit einer sehr ansprechenden Aufmachung überzeugt – unbedingt empfehlenswert!

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