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Die Feuerpriesterin

Alisha Bionda
Montag, 19. Januar 2009

Das Erbe der Runen, Band Nr.2
Monika Felten
Piper, München, 12/2006
Fantasy, ISBN 9783492266307, 464/9,95
Titelillustration von Torsten Reinecke/ S. Habermann/ T.Neese
Titelgestaltung von Nele Schütz Design München
Paperback
www.piper.de
www.monikafelten.de

Die Halbelfe Ajana bricht zu einem neuen Abenteuer auf. Eine dunkle Gottheit droht das Land Nymath in einem Feuersturm zu vernichten. Ajana schart eine Hand voll Kämpfer um sich und macht sich auf in ein unwirtliches Gebirge. Dort müssen sich die Gefährten in einem Duell auf Leben und Tod ihrer gefährlichsten Gegnerin stellen: der Feuerpriesterin.

Seit ihren »Elfenfeuer«-Romanen ist Monika Felten Deutschlands erfolgreichste Fantasy-Autorin. In »Die Feuerpriesterin« führt sie erneut in die faszinierende Welt der Elben, dem Geheimnis umwittertsten Volk der Fantasy.

Bei Trilogien habe ich immer insoweit leichtes Magendrücken, da ich die Befürchtung hege, einen auf drei Bände künstlich hochgeschraubten „Stoff“ zu erhalten, der für zwei straffe Bände gereicht hätte. Meist ist es dann besonders der Mittelband, an den ich mit Sorge herangehe. Band 2 der Runen-Trilogie hat mir diese vollends genommen, denn Monika Felten ist das gelungen, was eine gute Trilogie ausmacht – Band 2 ist eine Steigerung seines Vorgängers.

Wir sind alle einer Entwicklung unterworfen, wenn wir als Menschen nicht stagnieren und so ist es auch in „Die Feuerpriesterin“. Die Charakteren aus „Die Nebelsängerin“ werden immer vielschichtiger, dem Leser immer vertrauter und ziehen diesen immer mehr in die Welt von Nymath – mit all ihren Völkern und Stämmen, mit all ihrem Licht und Schatten und den guten und bösen Gestalten darin.

Für Letztere steht Vhara, die Hohepriesterin und ehemalige Herrscherin über die Uzoma. Ihre Machtposition nimmt ein jähes Ende, als sie von ihren Untergebenen „gerichtet“ werden soll, denn die Uzoma machen Vhara für die Niederlage gegen die Nebelsängerin verantwortlich. So muss Vhara die bittere Erfahrung machen, dass sich dunkel erworbene Macht oft nicht lange auszahlt, denn sie wird mit Schimpf und Schande in die Wüste vertrieben.

Der Leser erhält einen ersten Einblick in die Vergangenheit der Priesterin, wird Teil ihrer Erinnerungen – sieht wie sie selbst geopfert werden sollte und „ihm“ auf der Schwelle des Todes begegnet – ihrem dunklen Gott, der sie küsste, ihren Leib und ihre Seele forderte und ihr ein neues Leben schenkte – unsterblich wie die Macht des Feuers.

Womit wir bei der Titelgebenden sind – der Feuerpriesterin.

In diesem Roman führt Monika Felten auf stimmungsvolle, sehr berührende Weise die Handlungsstränge und Personen aus Band 1 fort. Eine Besonderheit stellt hierbei der Fokus auf die Historie der einzelnen „Lager“ dar. So bietet sich dem Leser auch ein tieferer Blick auf das Volk der Uzoma, das einst aus seiner Heimat vertrieben wurde und längst nicht nur blutrünstig und kriegerisch ist. Man verspürt Mitleid mit den Entwurzelten, sieht besonders an ihnen, dass es im Leben – so auch in der Phantastik weit mehr als Schwarz und Weiß gibt.

Die Romanhandlung beginnt mit einem kurzen Rückblick auf das Leben der „Magun“ (Freundin und Schülerin der Elbenpriesterin Gaelithil), die sich im Laufe der Handlung erstaunlich wandelt.

Die Uzoma versuchen verzweifelt wieder „Fuß“ zu fassen. Als erste Maßnahme richten sie Othon, ihren Whyonos hin, den sie als offiziellen Schuldigen für ihre Niederlage gegen die Nebelsängerin bestimmen. Während sich Vhara durch die Wüste kämpft, legen die Uzoma den Tempel des dunklen Gottes, dem die Hohepriesterin dient, in Schutt und Asche – ebenso Vharas persönlichen Besitz. Nach Othons Hinrichtung beschließen die Uzoma die Nebelsängerin zu töten um den Schutz von Nymath damit aufzuheben und sie zurück in ihre alte Heimat können.

Als die Uzoma von der Kampflinie am Pass abziehen, begegnen ihnen Vogelreiter, die die Uzoma an einen sicheren Ort bringen wollen. Kruin, der neue Stammesfürst, reagiert misstrauisch auf dieses Angebot. Doch die Vogelreiter fordern. dass zum Wohle von Nymath, dass Mitglieder des Hohen Rates von Sanforan, Gesandte der Elben und der Uzoma gemeinsam an einem Tribunal teilnehmen.

Kruin stimmt dem zögernd zu und gibt den Vogelreitern Gesandte der Uzoma mit.

Vhara sieht in einer Vision wie der Tempel des dunklen Gottes in Flammen aufgeht, ebenso wie Othon hingerichtet wird, und schwört Rache. Doch sie muss sich erstmal ihrem Überlebenskampf in der Wüste stellen, denn dort begegnet ihr ein Raapir, eine blutrünstige geflügelte Echse. Vhara dringt in deren Bewusstsein und in die Urinstinkte ein, bricht den Willen der Echse und nutzt sie für ihre Zwecke, gelangt durch sie in das „Reich der Serkse“, wo sie zwanzig Winter zuvor schon einmal war.

Sie begegnet der Serkse, der Herrin des flüssigen Feuers, und fordert von ihr gemäß einer Vereinbarung, dass sie ihr ein Heer von Feuerkriegern zur Verfügung stellt – doch es sind nur dreißig an der Zahl, die aber die Macht haben, was immer sie berühren zu verbrennen. Vhara will sie für ihre Zwecke nutzen und schmiedet einen teuflischen Plan.

 

Ajana ist mit einem Gefolge, zu dem Bayard und Keelin gehören, auf dem Weg an einen Ort, um die Reiserune anzurufen um wieder in ihre Welt zu gelangen.

Auf ihrer beschwerlichen Reise zur „Kardalin-Schlucht“ machen sie die Begegnung mit einigen wundersamen und bedrohlichen Wesen und Gestalten. Zum Beispiel die der „Dunkelschleicher“, von denen Ajana erfährt, dass diese viel schlimmer als Wölfe sind – blutrünstig und unberechenbar und Feuer das Einzge ist, das die Bestien fürchten.

Als Ajana und ihre Begleiter von diesen Kreaturen angegriffen werden, kommen ihnen wie aus dem Nichts Krieger mit blauem Federschmuck zu Hilfe. Es handelt sich dabei um Mahoui, imposanten Laufvögeln mit prächtigem blauen Gefieder.

Auch Ajana und ihr Gefolge werden von den Mahoui in das immergrüne Tal, der Heimat der Vaughn (das Kleine Volk) gebracht, damit dort das Tribunal stattfinden kann. Mittlerweile ist auch Maylea dorthin gebracht worden. Diese erinnert sich nach und nach an das was sie (in Band 1) erlebt hat – und an Abbas, der sein Leben für sie aufs Spiel gesetzt hat und den sie feige im Stich gelassen hat.

Bei den Vaughn begegnet ihr auch Faizah, eine junge Uzoma, von ihr erfährt Ajana mehr über die Geschichte der Uzoma – aus der Zeit, als die Onur, Katauren, Raiden, Wunand und Fath Gäste im Land der Uzoma waren und diese Gastfreunschaft missbrauchten und die Uzoma mit Hilfe der Elben aus ihrem Land vertrieben und in das lebensfeindliche Land hinter den Nebel verbannt wurden.

Ajana kämpft mit ihrem Heimweh und sie zweifelt immer mehr daran, dass sie das Richtige getan hat, als sie die Nebel neu wob, wodurch die Uzoma – die wahren Ureinwohner Nymaths, ihre Heimat verloren. Ajana beginnt die Uzoma, die ihr angestammtes Recht auf ihr Land wiederhaben wollen, zu verstehen.

Auch Gathorion erhält die Einladung der Vaughn in das immergrüne Tal zu kommen um an dem Tribunal teilzunehmen. Nach langem Beratschlagen beschließt seine Schwester Inahwen als Abgesandte der Festung zu gehen – Tarun begleitet sie.

Auch Gathorion erhält die Einladung der Vaughn in das immergrüne Tal zu kommen um an dem Tribunal teilzunehmen. Nach langem Beratschlagen beschließt seine Schwester Inahwen als Abgesandte der Festung zu gehen – Tarun begleitet sie.

Von ihr erfährt Ajana erfährt, dass ihr Leben in Gefahr ist, solange Vhara den Stab mit der zweiten Hälfte des Mondsteines (andere ist in Ajanas Runenamulett) besitzt, weil sie Ajanas Aufenthaltsort dadurch immer bestimmen kann. Inahwen erzählt Ajana auch erstmals mehr über den magischen Stein und seine Verwendung.

Der Wanderer und die Magun treffen aufeinander und der Wanderer erzählt ihr, dass Nymath immer noch in großer Gefahr ist, weil die Priesterin (Vhara) des Einen (dunkle Gott) vollenden will, was sie begonnen hat (in Band 1) und nun durch die Feuerkrieger mächtige Verbündete an ihrer Seite hat. Er weiht die Magun aber ein, dass es eine Möglichkeit gibt, Nymath erneut zu retten.

Erstmals ist in diesem Band auch die Rede von den beiden Kindern der Göttin Emo, die diese einst zornig verstossen hat und die unerkannt unter den Menschen leben.

So stellt sich heraus, dass die Magun in Wahrheit Asza, die Tochter der Göttin ist. Die Magun macht sich auf den Weg in die heilige Halle, in der ihre Mutter und die anderen Götter ruhen und macht dabei eine wundersame Wandlung durch – sie verjüngt sich wieder zu Asza.

Derweil legen die Feuerkrieger immer mehr Dörfer und Gebiete in Flammen – die Bedrohung durch sie nimmt unvorstellbarfe Ausmaße an ...

Der zweite Band der Runen-Trilogie glänzt durch seine temporeiche Handlung und atmosphärische Dichte. Der Leser erfährt mehr über die Prota- und Antagonisten und die Hintergründe der Geschichte rund um Nymath. Und „bewegt“ sich immer sicherer in der von Monika Felten geschaffenen Fantasywelt.

Ajana und ihre Getreuen müssen wieder etliche Unbillen auf sich nehmen, beschwerliche Wege gehen (z.B. Whelas, die versunkene Stadt passieren, wo sie den Gorneths, Geister eines uralten Volkes, begegnen), aber das Buch ist so viel mehr. Denn auch Vhara erhält neue Facetten, ebenso die Götter – die eine Art Götterkreig, gegen den einen grausamen Gott (dem Vhara dient) führen, der die Welt beherrschen will.

So stellen sich dem Leser viele Fragen.

Wird das von den Vaughn initiierte Tribunal den ersehnten Frieden bringen?

Werden Vhara und ihre Feuerkrieger das Land weiter in Schutt und Asche legen?

Wird Ajana jemals wieder zurück in ihre Welt kehren?

Und kann dem Eingreifen des dunklen Gottes Einhalt geboten werden?

„Die Feuerpriesterin“ gibt einige Antworten darauf, lässt aber noch genug Raum für Band 3 – man darf mehr als gespannt sein!

Auch die Aufmachung des Bandes kann sich wieder sehen lassen. Das Covermotiv, in ein schönes warmes Rot gehalten, zeigt das Runenamulett und die Berge – sinnbildlich für die Gebirgslandschaften, durch die sich Ajana und ihre Begleiter teilweise zu quälen haben. Das Papier ist erstklassig, Lektorat und Satz (mit schönen Szenentrenner) gut und das Preis-Leistungsverhältnis ausgewogen.

An den Romantext schließt sich wieder ein umfangreiches Glossar an, sowie „Die Völker und Stämme Nymaths“, „Das Geheimnis der Runen“ und „Das Runenamulett“ (Die Bedeutung der Runen im Amulett), so dass auch die Informationen zu der Welt um Nymath nicht zu kurz kommen.

Fazit: Stimmungsvoller und spannender Mittelband einer Fantasytrilogie, die den Leser in eine dichte und atmosphärische Welt zieht und in keiner Sammlung fehlen sollte!

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